Wild-Kräuter & mehr

Frische Wildkräuter
R
obuste Freilandpflanzen
Bundesweiter WildkräuterVersand

Führungen, Seminare, Praktika, Beratung

Christina Schuster

.Lebbiener Weg 1
Ot. Prisser - Neu Lebbien
29 451 Dannenberg

058 61 – 67 58 service@wild-kraeuter.de

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Presse

Stand 23. September 2014



.Wildkräuter.

.Reisen in die Kräuterwelt.

.Wildkräuter-Erlebnis-Küche und das „ayurvedische Gefühl“.

.Wildkräuter aus eigenem Garten.

.Was mir am Herzen liegt - dafür habe ich Zeit.

.Eßbare Wildkräuter mit Geschmack.

.Wildkräuter: duftend, heilend, würzend.

.Wo der Wildkräuter-Blütensalat wächst und frisch geerntet wird.



TEXT + FOTOS VON CHRISTINA SCHUSTER
ERSCHIENEN IM LANDFRAUENKALENDER 2015 BEI AGRAR-MEDIA

Eine Beschreibung des Kalenders
mit Link zum Bestellformular
habe ich auf meiner
Bücherseite


Kalenderrückseite des Juni-Monatsblattes

.Wildkräuter.

Für viele Gartenbesitzer sind Giersch und andere Unkräuter eher lästig, doch kulinarisch betrachtet, ergibt sich ein ganz anderes Bild.

In Mitteleuropa sind über 2000 Pflanzen essbar! Dazu gehören auch fast alle Wildkräuter, die in jedem Garten als Unkraut von allein wachsen. Es gilt, daraus die wohlschmeckensten zu finden und davon nur die zarten Teile abzuschneiden. Denn viele Pflanzen, auch essbare, sind kein wahrer Genuß, sei es, weil sie zu bitter schmecken oder zähe Faserteile haben. Die Blüten vieler essbarer Wildkräuter setzen farbenfrohe Akzente.

Für Nachschub ist gesorgt

Im Gegensatz zur Ernte der meisten Gartengemüse werden Wildkräuter nur beerntet. Durch die darauffolgende Verzweigung der Pflanze ist laufend für frischen Nachwuchs und so- mit auch zarten Nachschub gesorgt.

Unsere Empfehlungen

Aufgrund ihres milden Aromas und ihrer saftigen Konsistenz kann die Vogelmiere in großen Mengen jeder Mischung beigegeben werden.

Die obersten länglichen Blätter der Herbstaster sind sehr mild und eignen sich neben roher Verwendung auch gut, um sie als Blattgemüse zu dünsten.

Giersch ist wirklich sehr wohlschmeckend. Aromatisch, würzig, aber nicht streng. Vereinzelt lassen sich auch im Juni noch zarte Gierschblätter finden. Zu erkennen sind sie an der glänzenden Oberfläche und der frischen grünen Farbe. Wichtigstes Merkmal für zarten Gierschgenuss ist der Grad der Blattfaltung. Ein aufgeklapptes Blatt ist bereits sehr zäh und nicht mehr zum Verzehr geeignet, weder roh noch gedünstet.


Junges, zartes Gierschblatt (Bildmitte). Das entfaltete Blatt im Vordergrund ist bereits zu zäh für einen wahren Genuss.


Das Kleinblütige Knopfkraut, auch Franzosenkraut genannt, ist neben Giersch das wohl appetitlichste Wildkraut überhaupt. Die feinen glatten Blätter und Blüten sind ab Juni zu finden. Sein naher Verwandter, das Behaarte Knopfkraut, ist ein tolles Wildgemüse.


Das Kleinblütige Knopkraut bietet von Juni bis Oktober leider nur ein kurzes Vergnügen, da die Pflanze sehr frostempfindlich ist.

Die Triebspitzen und obersten Blätter der Weißen Taubnessel haben ein kräftiges, leicht erdiges Aroma, ähnlich der Roten Bete. Wegen der feinen Härchen fühlen sich die Blattoberflächen leicht pelzig an, das ist nach kurzer Dünstzeit jedoch nicht mehr zu schmecken oder zu fühlen.

Gelbe Nachtkerzenblüten sind sehr lecker und zart, denn ihr Geschmack ist mild und leicht süßlich. Die unreifen Samenstände bilden eine längliche Schote. Sie sind saftig und etwas knackig.


Alles essbar: die Knospen links, daneben eine Blüte und rechts junge, unreife Samenstände der Nachtkerze.

Die Blüten der Sommeraster mit weißen Hüllblättern sehen Gänseblümchen sehr ähnlich, haben jedoch einen scharfen Geschmack. Es empfiehlt sich eine vorsichtige Dosierung.

Sauerklee + Sauerampfer haben einen frischen, sauren Geschmack. Wegen der enthaltenen Oxalsäure sollten sie dennoch besser nur als Beimischung verwendet werden.

Wildgemüsezubereitung

Die schnelle Küche einmal anders – Zubereitung von schmackhaften Unkräutern

Wildkräuter-Blattgemüse lässt sich mit wenig Aufwand zubereiten und schmeckt fabelhaft, sofern nur die jungen Pflanzenteile geerntet werden. Für eine Portion reichen 50 g der eiweißreichen Naturkost. Die Kräuter kurz, aber gründlich waschen, um eventuell anhaftenden Sand zu entfernen. Nur etwas abtropfen lassen, denn das wilde Blattgemüse sollte leicht feucht im eigenen Saft gedünstet werden. Dafür eignen sich gut Pfannen und flache Töpfe mit Glasdeckel. Auf übliche Würzmaßnahmen kann verzichtet werden, wobei Tomatenmark eine farbenfrohe Ergänzung ist, welche die köstlichen Aromen der Kräuter nicht überdeckt, sondern eher unterstreicht. Je nach Menge und Anzahl der Portionen 5–10 Minuten bei milder Hitze mit Deckel dünsten, danach vorsichtig wenden und zudeckt ohne weitere Hitzezufuhr noch 1–2 Minuten garziehen lassen.

Freuen Sie sich ab dem spätem Frühjahr auf Brennessel, Giersch, Herbstaster und Weiße Taubnessel; ab Juni kommen noch Knopfkraut (Franzosenkraut), Melde und Weißer Gänsefuß hinzu.

Als Beilage eignen sich Kartoffeln (gebraten und gekocht), Nudeln (in jeder Form), Linsen, Reis, Hirse, Polenta, Couscous, Quinoa und was Sie sonst noch gerne essen. Probieren Sie es aus!


Weiße Taubnessel im Garten



Die Kraftstulle

Hier ist der Name Programm, denn zarte und frische Wildkräuter verleihen Kraft.

Eine der einfachsten Arten Wildkräuter zu genießen, findet sich in der Kraftstulle und man braucht für den Anfang nur wenige Arten für ein delikates Pausenbrot.

Genauso schnell ist ein Wildkräutersalat bereitet: Die gewaschenen, zarten Blättchen auf einem Teller verteilen und mit einem dekorativen Ring aus Joghurt als Dressing versehen. Abschließend noch einige Blüten verteilen. Normales Salatdressing mit Essig oder Zitronensaft würde die vielfältigen Aromen der Wildkräuter überdecken. Auch ist es sinnvoll, sie nicht mit normalen Blattsalaten zu mischen. Tomaten verleihen eine zusätzliche saftig-frische Note. Guten Appetit!

Genießen Sie die feinen Wilden einfach pur!



Autorin: Christina Schuster | Wild-Kräuter & mehr | 29451 Dannenberg | www.wild-kraeuter.de



TEXT + FOTO VON BENJAMIN PIEL
ERSCHIENEN IN DER ELBE-JEETZEL-ZEITUNG AM 10. JUNI 2014

.Reisen in die Kräuterwelt.

Zwei Frauen, zwei Leidenschaften: Heil- und Unkraut


Unkrautexpertin: Christina Schuster (rechts) zeigt Elisabeth und Albrecht von Reibnitz
während der Kulturellen Landpartie in ihrem Kräutergarten in Prisser-Neu Lebbien wie
Brennnesseln am effektivsten zu ernten sind.



Wer mit Johanna Herzog durch die Natur spaziert, kommt nicht weit. Die Kräuterfachfrau aus Suderburg sieht an jeder Ecke Heilpflanzen. Hier Breitwegerich, dort Hirtenteschel-kraut, weiter hinten einen Storchschnabel. "Ich sehe ein Dutzend Heilpflanzen, ohne mich nur einen Meter zu bewegen - da ließe sich jetzt schon was für 60 Gebrechen finden", sagt sie, als in Breese im Bruche einer ihrer Kräuterspaziergänge während der Kulturellen Landpartie (KLP) losgeht.

Text gekürzt

Herzog ist eine, die leidenschaftlich wird, wenn es um Heilpflanzen geht. Oder wie sie es sagt: "Ich bin enthusiastisch über Pflanzen."

Das ist Christina Schuster auch. Mit dem Unterschied, dass es ihr weniger um die Heilkraft als vielmehr um den Genuss geht. Wenn Menschen über Unkraut reden, dann meistens, weil es ihnen im Garten zur Last fällt. Leuchtende Augen bekommen bei dem Thema jedenfalls die allerwenigsten. Schuster schon. Das Unkraut hat sie gepackt, es ist zu ihrem Lebensthema geworden. Sie lebt in einem Bauwagen in Neu Lebbien auf einem riesigen Grundstück, erntet jeden Tag Kräuter, verschickt diese an Kunden in ganz Deutschland, die im Internet bestellen. Über das Jahr verteilt ernte sie um die 50 Arten. "Es ist ein Wachstumsmarkt", sagt Schuster. Viele Wildkräuter landen auch auf ihrem eigenen Teller. Dass sie von der Heilwirkung profitiere, finde sie gut, sei aber nicht die Hauptmotivation, mit Kräutern zu kochen. Sondern der Genuss, der Geschmack. Krank werde sie fast nie.

Während der KLP bietet Christina Schuster Besuchern in ihrer Wildkräutererlebnisküche ein ganz besonderes Essen an. Wer zu ihr kommt,




bekommt keine fertige Mahlzeit, sondern muss selbst ran: Kräuter im Garten ernten, kochen, genießen. Elisabeth und Albrecht von Reibnitz aus Schleswig-Holstein sind zum Kochen gekommen. "Uns hat das gleich interessiert, denn Brennnesseln und Giersch kommen bei uns auch auf den Tisch", sagt Elisabeth von Reibnitz. Mit ihrem Essen werden die beiden am Ende sehr zufrieden sein: Couscous mit Herbstasterblättern und Reis mit Brennnesselspitzen. Dass es gut schmecke, sagt Schuster, liege vor allem an der richtigen Schnittechnik: "Wo, wie und was man von der Pflanze abschneidet, macht den Unterschied zwischen essbar und lecker aus."

Schuster ist eine Frau mit einer Mission. Sie will Vorurteile abbauen, den Menschen zeigen, wie schmackhaft viele Unkräuter sind, will ihnen die Angst vor giftigen Pflanzen nehmen. "Vor der Natur zu warnen, das ist eine Tendenz, die ich in der Gesellschaft wahrnehme und kritisiere", sagt sie. Sie wirbt dafür, mit ein paar Pflanzen anzufangen, die man sicher erkenne und sich dann langsam vorzurobben. Delikate Wildkräuter sind Schusters Thema.

Mit 30 hat sie eine landwirtschaftliche Ausbildung gemacht und begonnen, sich für Heilkräuter zu interessieren. "Als ich bemerkt habe, wie viele Heil- und Unkräuter essbar sind, hat sich mir eine neue Welt erschlossen", sagt die Barfüßige. Dann geht sie in die Hocke, schneidet ein Blatt ab und schiebt es sich in den Mund: "Einfach mal probieren", sagt sie, "das hilft."





TEXT VON CHRISTINA BLANK www.ayurvedakonzept.de
FOTOS VON KARL-HEINZ ROSENBERG, CHRISTINA SCHUSTER, WIKIPEDIA

.Wildkräuter-Erlebnis-Küche  und das „ayurvedische Gefühl“.

Ein Garten, vier Frauen und die Idee zur „Kulturellen Landpartie 2012“ im Wendland


Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten findet in diesem östlichsten dünnbesiedelten Zipfel Niedersachsens seit über 20 Jahren ein buntes, vielfältiges kulturelles und politisches Programm an vielen verschiedenen Orten statt. So auch im Wildkräutergarten von Christina Schuster, bei der ich vor einiger Zeit ein Praktikum absolviert hatte. Aus dem Wunsch, „ihre“ Wildkräuter in den kulinarischen Mittelpunkt zu setzen, entstand das Konzept einer offenen „Wildkräuter-Erlebnis- Küche zum Selbermachen“ auf Non-Profit-Basis als Herzstück unserer KLP.


 

Eigenes Erfahren und Erleben war uns wichtig

Unter dem Motto „Sich nähern und nähren: Wildkräuter sehen, ernten und zubereiten“ kamen während der 12 Tage bei bestem Wetter viele nette und interessierte Menschen zu uns in den Garten, um selbst aktiv zu werden. So wie sie gerade eintrafen, wurden sie von uns in Empfang genommen und zunächst mit dem Ablauf etwas vertraut gemacht. Einige hatten schon auf dem Weg zur Küche die Speisenkarte mit warmen und kalten Zubereitungsideen gelesen und sich z. B. für die „Brennende Nessie“, „Giersch-Ex“ oder „Frosch-Spezial“ entschieden. Dann ging es ausgerüstet mit Ernteeimer, Messer und ggf. Schutzhandschuhen zum Sammeln der gewünschten Zutaten. Dabei stand eine „Erntehelferin“ bereit, die bei Bedarf Unterstützung beim Auffinden der Kräuter gab und wie bzw. was davon geerntet wird. So instruiert konnten sich die Leute erst mal in Ruhe im Garten umtun und auf Entdeckungstour gehen.

Es durfte alles probiert werden, denn so ist am besten festzustellen, ob das Erntegut den gewünschten Kriterien entspricht: Zarteste junge Blätter, Triebspitzen, Knospen und Blüten für Salat, Kräuterquark und „Kraftstulle“, für spinatartige Gemüsezubereitungen sind die Triebspitzen sowie etwas größere und festere Blätter geeignet.

Für Gierschtee kommen auch ältere Blätter, die Knospen und Blüten in Frage. Dieses weitverbreitete Kraut enthält viel Vitamin A und C, es ist reich an Kalium, Magnesium, Calcium, Zink, Mangan und Kupfer, es wirkt harntreibend und entzündungshemmend.

Vorm anschließenden Waschen und Zubereiten des Eimerinhalts wurde „das Grünzeug“ noch mal kontrolliert und ggf. aussortiert. Es gab gedruckte Wasch- und Dünstanleitungen als Unterstützung oder wir standen wieder mit Rat und Tat zur Seite.

Frische saisonale Wildkräuter mit hoher Nährstoffdichte

Wildpflanzen sind robust und ausdauernd. Trotz des warmen Wetters erholten sie sich über Nacht mit etwas Tau am Morgen und warteten so wieder frisch gestärkt auf die nächsten Pflücker.




Ich verwende die Wildkräuter gerne in meiner Ayurveda-Küche und Kochkursen alternativ zu Kulturgemüse. Sie haben einen wesentlich höheren Anteil an wichtigen Mikronährstoffen wie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente.

So verfügt die Brennessel neben reichlich Vitamin A, C, E und Kieselsäure über einen hohen Eisen- und Eiweißanteil. Am besten ist sie in warmen Speisen statt Spinat zu verwenden.

Die meisten Wildkräuter haben einen bitteren Geschmack, einige schmecken auch scharf oder sauer. Zusammen mit ätherischen Ölen und weiteren bioaktiven Stoffen fördern sie den Appetit und die Verdaulichkeit der Speisen. Ihre Faseranteile pflegen und reinigen die Magen- und Darmschleimhäute. Sie verbessern die Aufnahmefähigkeit des Körpers für wichtige Nährstoffe, regen den Stoffwechsel an, wirken blutreinigend und entgiftend.


Also alles Nahrungsmittel-Qualitäten, die im Ayurveda geschätzt werden. Mit ihrer Vielfalt bereichern sie den Speiseplan insbesondere im Frühjahr und Frühsommer. Wildkräuter haben Tridosha-Qualität und dienen als „Natürliche Nahrungsergänzungsmittel“. Da sie roh oft kräftiger schmecken und ihre gesundheitsfördernden Wirkstoffe direkt zur Verfügung stellen, sollte jeder seine individuellen Verdauungskräfte hinsichtlich des Verzehrs von Rohkost beachten. Und, wenn wir es zulassen, sind sie gleich vor der Haustür im eigenen Garten zu finden und zu ernten.

Andere Bezugsquellen sind Wochenmärkte, Bioläden und Anbieter im Internet, die die Ware versenden. Ggf. kommen auch (vertrauenswürdige) Brachflächen, Waldränder oder Wiesen infrage. Wer sich unsicher beim selber Sammeln ist und nicht nur auf entsprechende Literatur vertrauen möchte, sucht sich am besten eine/n „Wildkräuter-Kundige/n“ vor Ort, getreu dem Motto: „Nur das Ernten, was man auch wirklich kennt und probiert hat“.

Doch zurück zum eigentlichen Geschehen

Als wir vier nach dem ersten Ansturm unseren Arbeitsrhythmus gefunden hatten, waren wir voll in unserem Element. So entdeckte ich mein Gespür für die Kinder. Es entspann sich z. B. der folgende Dialog: „Wir möchten einen Frosch machen“ (übersetzt „Kräuterquark zubereiten“). Gesagt, getan.

Während die Eltern ihre schon etwas müden Körper auf die nächste Sitzgelegenheit lagerten, tummelten sich ihre Biowecker beim Sammeln für besagten „Frosch“.

Nachdem dieser schließlich unter allerlei Getöse zubereitet und verzehrt war, fragte mich der älteste (ca. 7 Jahre) aus der Gruppe: „Kann ich jetzt noch das mit den Herbstastern machen?“ Ja, natürlich...also erneutes Sammeln. Wieder da, wurde schon fachmännisch das Kraut gewaschen und mit dem großen Messer gehackt, die Beilagen ausgewählt (Quinoa, Zwiebeln und Möhren) und schließlich alles in der Pfanne gedünstet. „So, das muss jetzt noch ein bisschen durchziehen, wegen dem Aroma“, wurde nüchtern festgestellt, dem hatte ich nichts mehr hinzuzufügen.


Quinoa / Reismelde, Quelle Wilipedia

Das „ayurvedische Gefühl“

Es war also ein Kaleidoskop an Individuen. Die dynamischen Prinzipien V/P/K zirkulierten, geistige Konstitutionen zeigten sich in allen Facetten. Das Ganze war eine Erfahrung für alle Sinne. Eine Wahrnehmungsübung für den Blick, der sich auf Wuchshöhe der Pflanzen einpendelte, so dass man die Füße vorsichtig setzen musste, damit die nachwachsenden Pflänzchen an den Beeträndern nicht zertrampelt werden.

Also ein Innehalten und eine gewisse Achtsamkeit. Ich denke, das war es auch, was die meisten Leute (unbewusst) daran genossen haben sowie den Umstand selber „etwas zu tun“ und sich nicht mit schon Fertigem bedienen zu lassen.

In den Tagen danach habe ich diesen „KLP-Rhythmus“ manchmal vermisst. Dieses unmittelbare Tun und Reagieren auf die Leute, das sich untereinander absprechen, miteinander auskommen, anstrengende Momente und Situationen, die immer wieder abgelöst bzw. aufgelöst wurden durch so viele humorvolle Begegnungen verbunden mit herzhaftem Lachen, erlebter Sinnhaftigkeit und dem „ayurvedischen Gefühl“ etwas Wichtiges über das Leben an sich zu erfahren.

Ich freue mich schon, kommendes Jahr wieder Teil des „sympathischen Wildkräuterquartetts“ zu sein!

Und vielleicht schauen Sie ja auch mal vorbei?

siehe auch Videos: Erlebnis~Küche 2012 und
Gesamtprogramm im Wildkräutergarten zur KLP 2013



TEXT UND FOTOS VON MARION KADEN
ERSCHIENEN AUF www.heilpflanzen-welt.de IM APRIL 2010

.Wildkräuter aus eigenem Garten.



Erste Frühlingswildkräuter



In einem Ortteil von Dannenberg, Landkreis Lüchow-Dannenberg, unterhält Christina Schuster einen circa ein Hektar großen landwirtschaftlichen Betrieb. Er wird von der Landwirtin intensiv bewirtschaftet, denn sie betreibt einen Wildkräuter-Versand über das Internet. Außerdem bringt sie Interessierten alles rund um das Gärtnern, Ernten oder Zubereiten von Wildkräutern bei.

Ihre erste Führung findet Anfang April statt. Da fegt noch ein sehr kalter Wind durch den Garten. Trotzdem hat sich eine Gruppe zusammengefunden, die herzlich empfangen wird. „Am besten wir duzen uns“, schlägt Christina gleich zu Beginn vor und lädt zunächst in eine offene Scheune ein. An einem runden Tisch finden alle Platz, Becher und heisses Wasser stehen bereit. Nur die Kräuter fehlen noch. „Habt ihr schon einmal Gierschtee getrunken?“, fragt sie in die Runde. Erstauntes Kopfschütteln. Christina stürmt in den Garten, um eine Minute später mit einer Handvoll Giersch (Aegopodium podagraria) zurückzukommen. Sie schneidet das von den meisten Gärtnern verhasste „Unkraut“ klein. Dann kommt es in eine Teekanne und wird mit heissem Wasser überbrüht. Während der Gierschtee zieht, ist Zeit für eine kurze Vorstellungsrunde: Biogärtnerin, Heilpraktikerin, Lehrerin bis hin einem Grafiker – eine bunte Gruppe unterschiedlichster Berufe ist vertreten.




Gierschtee

Alle stammen aus der Region. Sie kennen sich oder stellen fest, dass berufliche Querverbindungen bestehen. „Das Netzwerk ist groß und funktioniert wirklich gut“, meint Ute, eine Lehrerin lachend. Der Landkreis Lüchow-Dannenberg hat nicht nur bundesweit Bekanntheit durch die Atommülldeponie Gorleben erlangt. Sondern auch wegen der vielen alternativen Gruppierungen, die langsam parallel zu der Anti-AKW-Bewegung entstanden. Diese organisieren nun seit über drei Jahrzehnten einträchtig und fantasievoll ihren Widerstand gegen die Atommülldeponie oder AKW-Politik und entwickelten dabei viel Alternatives.


In diesem Rahmen hat auch Christina ihren Platz im Landkreis gefunden. Sie arbeitete zwölf Jahre lang im Bio-Anbau, wandte sich dann schließlich ganz den Wildkräutern zu und kaufte Land, für das sie nun lebt und arbeitet. Sie schenkt den Gierschtee aus und beobachtet gespannt ihre Gäste. Doch der Tee findet wegen seines leichten, milden Geschmacks allgemeine Anerkennung. Dann erzählt Christina von ihrer Unternehmung: Sie erntet Wildkräuter ausschließlich aus ihrem eigenen Garten. „Denn so weiss ich, was ich habe“, erklärt sie und führt aus, dass weder Hunde, Pestizide noch Dünger die Erde oder Wildpflanzen verunreinigen können. „Außerdem arbeite ich immer nur mit der Natur“, betont sie. Diesen Satz wird sie noch häufiger sagen, doch erst durch ihre Erklärungen im Garten wird deutlich, was sie damit tatsächlich meint.




Wildkräutergarten

Wichtig: Sehen, fühlen, riechen, schmecken

Nachdem Christina alle Beteiligten mit einem kleinen Eimerchen und Küchenmessern ausgestattet hat, geht die Gruppe in den Garten. Dieser hat überhaupt nichts mit den sonst üblichen Gärten zu tun: Es gibt keine abgesteckten Wege, gehackte Beete oder sonstig freigelegte Erde, sondern für ungeübte Augen mehr oder weniger hohe Grasflächen. Unter den Büschen und Bäumen ist immer nur blätterbedeckte Erde, hier und da liegen kleinere Zweig- und Blätteransammlungen herum. Dazwischen wagen sich überall Wildkräuter hervor. „Sicherlich kennt ihr schon die eine oder andere Pflanze“, vermutet Christina. Die Schafgarbe beispielsweise wächst einem sonnigen Plätzchen schon recht kräftig. „Beim Sammeln von Wildkräuter ist wichtig zu sehen, fühlen, riechen und zu schmecken“, betont sie. Sie zupft ein paar ältere und ganz junge Schafgarbeblätter und verteilt diese. Und tatsächlich: Die alten vollkommen entfalteten Blätter fühlen sich kratzig an den Lippen an und schmecken auch nicht mehr besonders zart. Die jungen Blättchen hinegen sind noch zusammengerollt, haben einen zarten Flaum, sind weich an Lippen und Gaumen und schmecken gut. „Seht ihr“, sagt Christina zufrieden. „Und so geht ihr mit allem vor. Denn warum soll ich zum Beispiel alte, bittere oder zähe Blätter in meinen Salat geben?


Löwenzahn-Vielfalt

Ihr Beispiel vertieft sie an der nächsten Pflanze, den Löwenzahn (Taraxacum). „Es gibt 120 unterschiedliche Löwenzahnarten“, erklärt die Landwirtin und weist auf die verschiedenen Blattformen hin. In ihrer Hand hält sie drei Blätter: „Alle sind unterschiedlich in ihrer Form. Die einen sind besonders stark gebuchtet und dieses hat sogar einen schwarzen Blattrand“, so Christina. Nach eingehender Untersuchung bestätigt die Gruppe, dass die stark gebuchteten, mit schwarzem Rand ausgestatteten Blätter nicht wirklich lecker aussehen, sondern nur die weich geformten und sich samtig anfühlenden Löwenzahnblätter. Auch die Geschmacksprobe ist eindeutig: Die schwarzgerandeten haben einen sehr bitteren Geschmack, während die weichen wesentlich milder sind. Folglich wandern nur noch entsprechend geformte Löwenzahnblätter in die kleinen Eimer.



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120 Löwenzahnarten


Extra-Klasse: Kräuterbrot aus
10 Kräutern


Das besondere Kräuter-Brot

Dann stellt Christina den Fäberwaid (Isatis tinctoria L.) vor. Sie ist den meisten unbekannt. Die Pflanze wächst in schon stattlich ausgeprägten Rosetten und hat kräftige, große Blätter. Mit ihrem runden Spezialmesser beschneidet Christina einen Büschel Färberwaid und verteilt die Blätter zur Probe. Sie haben einen kräftigen, würzigen, scharfen auch an Kresse erinnernden, angenehmen Geschmack. „Wird die Triebspitze von Wildpflanzen abgeschnitten, teilt sie sich und wächst folglich doppelt wieder nach“, so Christina. Somit hat sie keine Probleme beim Ernten von Wildpflanzen während des ganzen Jahres.


Zur Überraschung der Gruppe lassen sich nach diesem kalten Winter nun – wenn zum Teil auch noch sehr klein – noch viele andere Wildpflanzen finden: Vogelmiere (Stellaria media), efeublättriger Ehrenpreis (Veronica hederifolia), rote Taubnessel (Lamium purpureum) oder Knoblauchrauke (Alliaria petiolata) (Alliaria petiolata). Die Knoblauchrauke ist allerdings gerade erst aus dem Boden gekommen und zeigt nur einen zarten Stil mit zwei winzigen Blättchen. Ute hatte sie zuerst entdeckt und kommt unsicher zu Christina. Ob sie denn „etwas Richtiges“ gepflückt hat will sie wissen. Doch Christina ermuntert nur: „Probiere einfach aus!“. Erstaunt stellt Ute fest: Selbst dieses feine Pflänzchen hat schon den unverkennbaren Knoblauchgeschmack. Nach einer Weile sind die Hälfte der kleinen Eimer gefüllt. „Zeit, eine kleine Pause zu machen“, findet Christina. Sie sammelt die Wildkräuter ein und wäscht diese gründlich. Anschließend werden die Pflanzen leicht getrocknet und geschnitten. Für eine Zwischenmahlzeit der Extraklasse hat Christina ein Vollkornbrot mitgebracht, dass sie in Scheiben schneidet. Darauf wird entweder Butter oder eine Sesampaste gestrichen dann die geschnittenen Wildkräuter – fertig.


Pflanzenschutz beachten

Jeder bekommt eine Scheibe und ist begeistert. Dazu gibt es noch einen weiteren Gierschtee. Aus dem anderen Teil der gesammelten Kräuter wird noch ein Quark gezaubert. „Milchprodukte wie Quark oder Sahne mildern die Schärfe des Färberwaids oder die kräftige Würze vieler Wildpflanze ab“, erklärt die Landwirtin beim Zubereiten. Sie nimmt nur 500 Gramm Magerquark und verrührt darin die Wildkräuter. Sie verzichtet auf Salz oder Pfeffer, denn die Kräuter haben ihren eigenen, kräftigen Geschmack. Auch das Brot mit Wildkräuter-Quark kommt gut an. Derart geschmacklich angeregt, will die Gruppe mehr Rezepte und Tipps haben. Doch Christina winkt ab. „Von Rezepten halte ich eigentlich nichts“, sagt sie schlicht. Sie findet, dass sich alles aus Wildkräutern zubereiten lässt. „Ich kann Nudeln machen und


,


Pflanzenschutz beachten

dazu eine leckere Sauce aus Giersch und Brennnesseln, oder was der Garten gerade hergibt“, so Christina. „Ob nun Omelett, Salat, Gemüse als Beilage zu Fisch oder Fleisch, alles ist denkbar“. Der Fantasie sind eigentlich keine Grenzen gesetzt. Denn viele Pflanzen wie Giersch, Brennnesseln, Taubnesseln wachsen im Überfluss. Junge, frische Blätter, die an ihrer hellen Farbe zu erkennen sind, wachsen während des ganzen Jahres nach. Nur bei manchen Pflanzen sollten Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG [1]) oder die Verordnung zum Schutz wild lebender Tier- und Pflanzenarten (BArtSchV [2]) beachtet werden. So ist zum Beispiel die bittere Schafgarbe (Achillea clavennae L.) vom Aussterben bedroht. Sie sollten nicht Bestandteil eines Speiseplans werden.


Wie bleiben Wildkräuter am besten frisch?

Auf ihren Wildkräuter-Internet-Versand angesprochen, kommt Christina auf das Frischhalten zu sprechen. „Wildkräuter werden am besten morgens geerntet, wenn der Tau noch auf den Blättern liegt“, erklärt sie. Die Ernte wird in Plastikbehältern oder emaillierten Schüsseln gesammelt, dann für ein bis zwei Stunden an einem kühlen Ort ausgebreitet. „Durch die dabei entstehende Verdunstungskälte werden die Wildkräuter effektiv und energiesparend herruntergekühlt“, erläutert sie „und danach in Plastikbehältern verschickt“. Der leicht feuchte Salat hält sich gekühlt und so verwahrt eine ganze Woche lang. Wem das frühe Aufstehen Schwierigkeiten bereitet, kann Wildkräuter auch etwas später ernten. „Hat die Sonne ein oder zwei Stunden auf die Blätter eingewirkt, können die Pflanzen nur am gleichen Tag verarbeitet werden. Ein Aufbewahren lohnt sich dann nicht“, so Christina.



Färberwaid (Isatis tinctoria)


Geschätzte Krankenkost

Sie erzählt dann weiter, dass Krebs- oder auch beispielsweise Multiple-Sklerose-Erkrankte zu ihren treuen Kunden zählen. „Diese Patienten schätzen die Wildkräuter wegen ihrer wert- und gehaltvollen Inhaltsstoffe“, so die Landwirtin. Sie zeigt auf mehrere Vergleichttabellen, die auf dem Tisch ausgebreitet liegen. So hat zum Beispiel der als besonders gesund gepriesene Spinat aus normalen Gartenkulturen gezogen 633 Milligramm Kalium, 126 Milligramm Calcium und 4,1 Milligramm Eisen. Er wird von Wildpflanzen unter anderem zum Beispiel von Brennnesseln weit übertrumpft: Diese enthalten in der vergleichbaren

Menge 410 Milligramm Kalium, 630 Milligramm Calcium und 7,8 Milligramm Eisen. Schon das kurze Studieren der Tabellen zeigt schon auf den ersten Blick, dass die Wildkräuter sämtlich wesentlich höhere Inhaltsstoffe aufweisen. Den Anfängern in der Runde schärft Christina ein, dass nur Pflanzen geerntet werden, die als sicher essbar erkannt und durch Probieren als sinnvoll erachet wurden.


Bodenbedeckung und Mikroklima

Nach der kleinen Stärkung erklärt Christina noch etwas über die Gartenbearbeitung. „Ein Garten ist im stetigen Wandel begriffen“, sagt sie. Für ihr Konzept „Arbeiten mit der Natur“ ist der Verzicht auf künstliche oder Kompostdüngung unerlässlich. Durch Kompostierung zum Beispiel werden viele Samen, die sich im Kompost angesammelt haben, über den ganzen Garten verteilt. Statt dessen nimmt sie einen langen Schraubenzieher lockert damit den Boden und zieht die Gräser, die sie nicht haben möchte, heraus. Danach klopft sie die Erde gründlich ab und legt den Grasbüschel auf die Seite. „Der Wind trocknet den Grasbüschel aus, und ich verwende ihn sofort als Bodendecker“, sagt Christina. Das mag anderen als sehr mühsam entscheiden, doch so siedeln sich langsam robuste Pflanzen an, die Christina gerne in ihrem Garten haben möchte. Auch vom Umgraben hält sie nicht so viel. Denn zum Beispiel in einer Hand voller Gartenerde leben alleine circa 100 Insekten und Milben, 110 Gliederwürmer, 250 Springschwänze, 25.000 Fadenwürmer, 7,5 Millionen Protozoen (), 100 Millionen Pilze und 125 Millionen Bakterien. Leicht nachvollziehbar ist für sie also, dass alleine durch einen Spatenstich, dieses empfindliche Mikroklima erheblich gestört wird. Statt dessen verfährt Christina wie schon bei dem Jäten: Sie nimmt einen Spatenstich, klopft diesen gründlichst von der Erde ab und nutzt wiederum die entfernten Gräser und Wurzeln als Abdeckung. „In dieser gelockerten, abgedeckten Erde können dann auch Kulturpflanzen wie Kartoffeln bestens gedeihen“, so Christina.



Anderes Umgraben als gewöhnlich



In ihrem Garten wachsen allerdings nirgends Kulturpflanzen. Sie will nur Wildpflanzen, die zwar langsamer wachsen, dafür aber wesentlich robuster sind, „Ich greife auch nicht ein, indem ich wässere“, sagt sie. Selbst in heissen Sommern sorgt nur natürliche Bodenbedeckung dafür, dass der Wind nichts austrocknen kann. Oder sie lässt genügend Büsche oder Bäume wachsen in deren Schatten viele empfindliche Wildkräuter gut gedeihen. Wer mehr wissen will, muss im Sommer wiederkommen oder eines ihrer Seminare mitmachen.

Website Christina Schuster für weitere Informationen, Nährstofftabellen, Tipps oder Terminhinweise: www.wild-kraeuter.de.

Autor/In: Marion Kaden, Heilpflanzen-Welt (2010)



TEXT VON SOLVEIG FELDMEIER
FOTO VON RICHARD SCHMID
ERSCHIENEN IN NEUES DEUTSCHLAND, 08/2009


.Was mir am Herzen liegt - dafür habe ich Zeit.

Ein Kraut für das Sozialforum


Es ist ein sonniger Samstagvormittag. Wir sind bei Christina Schuster zum zweiten Frühstück eingeladen. Sie wohnt in Prisser. Das liegt im Wendland. An der Landstraße weist uns ein Schild den Weg zu Christinas Haus und Hof: Wildkräutergarten. Hier lebt sie auf ihren 7 Morgen Land. Ihren Bauwagen hat sie selbst ausgebaut. Alles mit der Hand. „Ich empfinde Freude und Dankbarkeit dafür, dass ich in der Lage bin, mir selbst zu helfen.“ sagt sie. Sie genießt ihr Glück, morgens nur eine Tür zu öffnen und dann mitten in der Natur zu stehen. „Nah am draußen.“ Für jemand wie mich, die von Kräutern keine Ahnung hat, wirkt Christinas Arbeits- und Lebensraum wie ein verwilderter Garten. Schwer vorzustellen, dass sie hier ihren Lebensunterhalt verdient. Bei der Teilnahme an einer ihrer Führungen, die sie mit einzelnen Gästen aber auch, wie bei der Kulturellen Landpartie, mit mehr als 20 Interessierten durchführt, zeigt sich ihr immenses Wissen über die „Unkräuter“ und ihre große Liebe zu den Pflanzen. Mit einem lauten: Vorsicht! Nicht auf das Beet treten! herrscht sie den Laien an, der die zarten Sprosse noch nicht vom Rasen zu unterscheiden weiß.




Wir frühstücken in Christinas Refugium und sie erzählt von ihrem Glück, gut essen und einer sinnvollen Arbeit nachgehen zu können. Häufig machen Leute Halt, die auf der Durchreise sind, weil sie Christinas Schild sehen. Diese Begegnungen sind ihr wichtiger als der Verkauf der Kräuter. Sie freut sich, wenn sie andere in die Lage versetzen kann, ihr Unkraut im eigenen Garten zu ernten. Seit acht Jahren gibt sie ihr Wissen über Wildkräuter auch im Internet weiter. Sie erhält viele Aufträge und bildet Interessierte aus.

Vorbereitung des
3. Sozialforums in Deutschland

Im letzten September allerdings hat sie den Verkauf eingestellt um sich voll und ganz der Vorbereitung des Dritten Sozialforums in Deutschland zu widmen. Eigentlich wollte sie nur mal gucken, als es im Frühjahr 2008 beim Plenum der Kulturellen Landpartie um die Bewerbung ging. „Wie die meisten Menschen wusste ich mit dem Begriff nichts anzufangen. Aber bei den Stichworten Weltsozialforum und Gegenforum zu G8 klickerte es dann und ich sah eine große Chance für das Wendland. Für die Vorbereitung eines solchen Ereignisses ist gruppenübergreifendes Arbeiten notwendig. Die Probleme des modernen Lebens, egal ob im Wendland, anderswo in Deutschland oder in der Welt sind einzeln und in einzelnen Gruppen nicht mehr lösbar.“ Sie hat sich ursprünglich nicht darum gerissen, aber es hat zunächst kein anderer etwas gemacht und manche Teile der Bewegung schienen sich raushalten zu wollen. Und da hat sie einfach angefangen. Wer e-Mails schreibt, der erhält auch welche. Wer Leute anspricht, bekommt eine Reaktion. Christina hat den Newsletter für das Sozialforum kreiert, immer wieder Fragen beantwortet und Informationen verteilt. Das nahm immer mehr Zeit in Anspruch. Doch für das, was ihr am Herzen liegt, hat sie Zeit.

Die gertenschlanke Frau mit der spröden Herzlichkeit ist in Hamburg geboren und aufgewachsen. Allerdings in einer Gegend, die damals noch Stadtrand war. Sie war viel draußen als Kind, ist auf Bäume geklettert. Als Mädchen hat sie sehr von ihrem 4 Jahre älteren Bruder profitiert und dadurch viel mehr Freiheiten genossen, als üblich gewesen wäre. Nach dem Abi machte sie eine Ausbildung zur Schiffahrtskauffrau. Sieben Jahre hat sie im Beruf gearbeitet. Die Schifffahrt fand sie sehr interessant. Aber den ganzen Tag Büro, das war nicht ihr Ding. Zweimal ging sie für ein halbes Jahr nach Australien. Noch heute kann sie von Land und Leuten schwärmen. Die Erfahrungen bewirkten, dass sie ihr Leben verändern wollte. Sie fand Arbeit im Verkauf einer biologischen Vollkornbäckerei und darüber Kontakt zu den Lieferanten – Biobauern auf einem Demeterhof.



Sie wollte raus aus der Stadt

Also machte sie ein Praktikum und daran anschießend eine landwirtschaftliche Ausbildung. Sie ist Landwirtin von Beruf, sagt sie stolz. Viele ihrer Freunde sind aus der Stadt weg gezogen. Sie lebten dann von Bafög oder meldeten sich arbeitslos. Christina wollte von ihrem Tun auf dem Land leben können. Deshalb hat sie alles gelernt, was dazugehört. Doch sie mochte keine Maschinenarbeit. Also hat sie weitergesucht. „Das, was ich wollte, konnte ich nicht in Worten ausdrücken.“ Es kam wie so oft im Leben: Wer sucht, der findet. In Christinas Fall war es ein Buch über Permakultur – „Der große Weg hat kein Tor“ von Fukuoka Masanobu. Und verbunden mit der Philosophie der Permanent Agriculture der Gedanke: Ich bin nicht allein auf der Welt. Die dritte Reise nach Australien stand ganz unter diesem Zeichen. Sie verbrachte ein Jahr als WOOF - Willing Workers on Organic Farms, Unterkunft und Verpflegung frei, als Gegenleistung ein halber Tag Arbeit auf der Ökofarm. Dabei studierte sie verschiedene Gruppen.

Als sie zu rückkam, war klar: Starten ist jederzeit möglich.

Nun versuchte Christina eine Gruppe zu finden. Es gab Kontakte zur Ökodorfbewegung, doch deren Visionen gingen ihr nicht weit genug. Schließlich lernte sie bei einem Seminar Leute aus dem Wendland kennen. Deren Miteinander erinnerte sie an das, was sie in Australien erlebt hatte. Das war vor 17 Jahren. Christina besorgte sich einen DDR-Bauwagen, die gab es damals günstig. Dank der guten Nachbarschaftshilfe gelangte er in ihren Garten. Seitdem hat Christina ihre Entscheidung keinen Tag bereut. Sie lebt in einem Netzwerk gegenseitiger Hilfe ganz individuell.

Das Wendland bietet ein anderes Lebensgefühl. Es ist landschaftlich anders. Hier gibt es Tiere und Pflanzen, die anderswo nicht mehr zu finden sind. Keine Autobahn. Keine großen Fernverkehrsstraßen. Jahre der Abgeschiedenheit als „Nase“, die in die DDR hineinragt. Wer hier her kam, wollte hier hin.

Es lohnt sich für diesen Landstrich etwas zu tun“

Und in erster Linie meint Christina damit gegen den Wahnsinn der Atomenergie vorzugehen.

Politisch engagiert hat sie sich schon während ihrer Schulzeit. Damals gingen Lehrer und Schüler gemeinsam zu den Brokdorf-Demos. „Dort habe ich den Glauben an die Demokratie verloren“ sagt sie bitter. Sie erlebte den Schlagstockeinsatz der Polizei. Nein, kein direkter Schlag gegen sie – nur ein Abpraller dessen, was ihrem Nebenmann auf den Kopf gehauen wurde. Es traf sie hart am Schlüsselbein. Bei der Arbeit in der Reederei stieß sie darauf, dass von Deutschland aus sowohl an den Irak wie auch an den Iran, die sich damals im Krieg befanden, Waffentransporte gingen. Sie kam zu dem Schluss: Die Interessen der Industrie sind wichtiger als die der Bevölkerung. Trotzdem wollte sie nie direkt an den Protesten in Gorleben teilnehmen. Sie fand es zu gefährlich. Doch natürlich konnte sie sich, nachdem sie hier hergezogen war, nicht mehr raushalten. Und fantasievoller, gewaltfreier Widerstand ist möglich und erfolgreich, wie sich zeigt. Christina befindet sich nun mittendrin. Sie bezeichnet sich als realistische Optimistin, bzw. optimistische Realistin. „Die Welt wird rapide den Bach runtergehen“ meint sie. Sie sagt: „Was ich mir wirklich erträume, ist illusorisch. Eine Welt, in der es nicht gegen die Natur und andere Menschen geht. Anarchie – Herrschaftslosigkeit. Nicht mehr, dass ein paar Leute Macht über ganz viele haben. Aber Träume können davon abhalten etwas zu tun.“ Sie schöpft Optimismus daraus, indem sie weiter etwas gegen die herrschenden Verhältnisse unternimmt. Egal, wie negativ sie die Zukunft sieht.

Ihre Wildkräuter betrachtet sie als das Vehikel, um den Menschen die Augen zu öffnen

Ich gebe ihnen einen kleinen Einblick, der für sie direkt nutzbar ist.“ Auch ich fühle mich angeregt, genauer auf das zu schauen, was da in unserem wilden Villagarten grünt und blüht. Mittlerweile habe ich bereits einiges ausprobiert. Das, was an Alternativen möglich ist in dieser Zeit und in diesem Land, sieht Christina im Wendland verwirklicht. Für andere Gegenden kann dies beispielgebend sein. Auch deshalb wünscht sie sich, dass sich möglichst viele Menschen für die Teilnahme am Sozialforum entscheiden.





TEXT UND FOTO VON ROGER GLOSZAT
ERSCHIENEN IM HAMBURGER GARTENFREUND, JULI 2003

.Essbare Wildkräuter mit Geschmack.


Die von der Landesbund -Fachberatung am Samstag den 10.5.2003 durchgeführte Tagesveranstaltung "essbare Wildkräuter hautnah erleben" mit Christina Schuster als Referentin, wurde von 24 Interessierten besucht, die etwas mehr über Wildkräuter erfahren wollten.

Gleich zu Beginn um 10 uhr wurde in die Praxis eingestiegen. nach Begrüßung und kurzer Einführung in das Thema wurde auf einem ehemaligen Gartengrundstück - jetzt seit ca. zwei jahren brachliegend - mit Eimerchen und Küchenmesser geerntet.



Gefunden wurden auf dem inzwischen von der Natur teilweise zurück eroberten Gelände folgende essbare Wildpflanzen:

Sauerampfer, Wildrauke, Knoblauchrauke, kanadisches Berufkraut, Giersch, Sauerklee, Löwenzahn, Hirtentäschel, weißer Gänsefuß, Vogelmiere, Breitwegerich, Malve, Leimkraut, Zitronenmelisse, Nachtkerze, Melde und Taubnessel.

Bei dieser Vielzahl waren praktisch alle Geschmacksrichtungen von scharf über bitter, nussartig, pilzähnlich, säuerlich, etc. vorhanden.

Zum Mittag wurde der selbstgesammelte Wildkräutersalat mit frischem Brot und Margarine praxisgerecht verspeist.

Nach der Mittagspause wurde der praxisorientierte Vormittag durch einen Folienvortrag vertieft. Themenbereiche waren unter anderem die Inhaltsstoffe der Wildkräuter, Wildkräuter als Bodenzeigerpflanzen, etc. gegen 16 uhr endete der "Wildkräuterausflug".

Fazit des Wildkräutertages

Wildkräuter sind robuster als Zuchtgemüse, besitzen oftmals mengenmäßig viele Inhaltsstoffe und können als willkommene Abwechslung zu den herkömmlichen Gemüsearten und -sorten genutzt werden. Erst ernten, dann hacken.



Christina Schuster zeigte und erläuterte die verschiedenen Wildkräuter, deren jeweilige Besonderheiten und die ernte-/essbaren Pflanzenteile. Beispiel Giersch, nur die ganz jungen Triebspitzen, da die großen Blätter zu faserig und damit zu zäh sind.





TEXT UND FOTO VON MARIA HORN
ERSCHIENEN IM ELBE-JEETZEL KIEBITZ AM 25. JUNI 2003

.Wildkräuter: duftend, heilend, würzend.

Christina Schuster führt durch ihren Kräutergarten


Mit zarter Hand löst Christina Schuster einige Blütenblätter vom Rosenstrauch und legt sie zur Vogelmiere, den lila Borretschblüten und den herzförmigen Blättern des Hirtentäschel. „Ende Juni eignen sich auch Malven- und Nachtkerzenblüten, Leim- und Knopfkraut oder Margariten für den Wildkräutersalat“, erklärt sie ihren Gästen auf der Führung durch ihren Wildkräutergarten am Lebbiener Weg bei Prisser.

Rund 1500 Pflanzen essbar in Mitteleuropa

Etwa 1500 essbare Pflanzen wachsen in unserer Klimazone“, weiß die erfahrene Kräuterfrau. Hunderte davon – unscheinbar wie der kleine Sauerampfer oder dekorativ wie die Königskerze – gedeihen auf dem sandigen Heideboden zwischen alten Obstbäumen und hochgewachsenen Sträuchern. Ackerstiefmütterchen, Gundermann, Salbei, Vergissmeinnicht, Zitronenmelisse– das ganze duftende, heilende, würzende Alphabet ist hier vertreten.



Erstaunlich die Vielfalt, denn Christina Schuster hat den Garten erst in diesem Frühjahr übernommen. „Es ist inzwischen mein sechster Garten, einige Kräuter sind mit umgezogen“. Andere hat sie auf der ehemaligen 1,7 Hektar großen Brache als Erbe übernommen und viele neu gepflanzt.

Permakultur nennt die Kräuterfachfrau ihre Wirtschaftsweise. Hier wird nicht gedüngt, auch nicht bewässert oder kompostiert.„Ich zupfe die Kräuterkulturen frei und lasse das Beikraut an Ort und Stelle liegen.Das führt dem Boden zurück, was ich ihm entnommen habe und schützt ihn vor dem Austrocknen“, erklärt Christina Schuster ihre sichtbar erfolgreiche Gartenarbeit.

Wer sich davon überzeugen will, kann den frei zugänglichen Garten betreten oder an den Führungen mit gemeinsamer Ernte teilnehmen, die im Juli und August jeden Samstag um 17 Uhr angeboten werden. Zum Abschluss werden die Kräuter als Salat verspeist. Erwachsene zahlen für Führung und Salat € 6,50, Kinder in Begleitung haben freien Zutritt.





TEXT UND FOTOS VON ANITA CH. LANGELOTZ
ERSCHIENEN IM GENERAL-ANZEIGER (LÜ-DAN) AM 24. JULI 2002

.Wo der Wildkräuter-Blütensalat wächst und frisch geerntet wird.

Großer Kräutergarten: Christina Schuster bietet Führungen und Kurse in Tolstefanz an


Ein bißchen Ruhe tut Christina Schuster schon ganz gut nach den etwas turbulenten Tagen der Aktion 'Offene Gartenräume'. Und dann hatte sich noch das NDR-Fernsehen drei besondere, aus dem normalen Rahmen fallende Objekte als Drehort für 'Hallo Niedersachsen' ausgesucht: Den 'Wassergarten' von Joachim Giese in Nienwalde, den Skulpturengarten von Klaus und Monika Müller-Klug in Damnatz und eben den Wilkräutergarten in Tolstefanz.

Hier lebt Christina Schuster nach 6 Berufsjahren als Schiffahrtskauffrau und anschließender landwirt-schaftlicher Ausbildung sommers und winters in ihrem gut isolierten Wohnwagen mit und in der Natur.



Ihren 8.400 qm großen Kräutergarten bewirtschaftet sie mit naturnahen und naturverträglichen Methoden (Permakultur).



Und was auf den ersten Blick etwas verkrautet und wild wirkt, hat System: Die 'Unkräuter' sind wertvolle Wildkräuter, abgeblüte Pflanzen müssen sich versamen, tiefwurzelnde Pflanzen holen Nährstoffe aus tieferen Erdschichten, von denen Nachbarn profitieren. mit großem körperlichen Einsatz bearbeitet Christina Schuster ihren Garten mit Sense, Hacke, Heckenschere und wird manchmal von weidenden Schafen unterstützt, die sich jedoch als Feinschmecker erweisen und nicht alles kürzen.

Nach der schwierigen Aufbau- und Anlaufphase kann Christina Schuster seit 4 Jahren von ihrem Kräutergarten leben, neben dem Pflanzenverkauf hauptsächlich vom Verkauf und Versand frischer Wildkräuter, vor allem aber dem Wildkräutersalat, einer Mischung aus frischen jungen Blättern und Blüten mit ganz unterschiedlichen Geschmacksnoten von zart (z.b. Vogelmiere, Giersch, Franzosenkraut), pikant (z.B. Löwenzahn, Sauerampfer) bis scharf (Berufkraut, Rettichsamenstände). Dazu kommen noch viele andere Kräuter und Blüten von Nachtkerze, Ackerstiefmütterchen, Weidenröschen, Margariten.


Die Kräutergärtnerin hat einen Privatkundenkreis und beliefert die gehobene Gastronomie, die den farbenfrohen Wildkräutersalat gern auf die Speisekarte setzt. Die Blüten des Muskatellersalbeis werden in den Laden 'Zaubertrank' nach Hamburg geschickt und sind Hauptbestandteil eines Muskatellerbiers.

Übrigens: In Wildkräuterführungen, Kursen und Seminaren zeigt Christina Schuster wie reich, wohlschmeckend und wertvoll die Natur den Tisch deckt, wenn man sich auskennt.




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